Kirche als Austragungsort zeitgenössischer Kultur
  • o.T. Fenster | Markus Wilfling

    Markus Wilfling, o.T.

    Tür in Fenster montiert | 2002

    Gewohntes Erkennen und Begreifen wird durch das Glasfenster von Markus Wilfling an eine Grenze geführt. Der steirische Künstler hat im Herbst 2002 durch seine unaufdringliche, aber umso effizienter wirkende Kunstarbeit eine paradoxe Situation geschaffen. Eine aluminiumgerahmte Glastür, wie man sie im Handel erhält, schwebt in einer freien, transparenten Glasfläche.

    Eine Tür im Fenster, ein interessanter und lächerlicher Widerspruch zugleich, ein Nonsens als Sehhilfe. Ein erster biblischer Bezug lässt sich im Buch der Offenbarung finden. Der apokalyptische Seher Johannes sah eine geöffnete Tür am Himmel. Prophetisch sah er das, was ist, und all das, was sich hinter der Oberfläche des aktuellen Weltgeschehens abspielt.

    Durch die Tür im Fenster wird der sakrale Raum als abgeschirmter, isolierter Raum in Frage gestellt. Natürliches Licht dringt ungebrochen in den Kirchenraum. Der Bezug und Gegensatz von außen und innen, alltäglicher Welt und sakralem Kultraum wird bewusster wahrnehmbar. Das Profane und Heilige befindet sich in einem versöhnten und zugleich streitbaren Verhältnis.

    Eine Tür im Fenster kann verstanden werden als eine Tür am Himmel, ein Hoffnungszeichen, dass unsere menschliche Existenz nicht nur bodenlastig ist, sondern einen himmlischen Bezugspunkt hat. Menschliche Geschichte ist trotz allem mehr als nur eine Geschichte der Sieger, eine Geschichte des ständigen Kampfes, der himmelschreienden Ungerechtigkeit und des Todes. Eine Tür am Himmel ist ein starkes Zeichen. Ein Wort Jesu könnte als direkter biblischer Bezug dienen:

    „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.” (Joh 10,9)

    So kann die Tür im Fenster auch als Verweis auf Christus verstanden werden. Er ist der Zugang zum unergründlichen Geheimnis Gottes und gleichzeitig die Tür zu einem tatsächlichen Verständnis, was der Mensch in seinem tiefsten Wesen ist. Der menschgewordene Sohn Gottes ist die Schnittstelle zwischen Himmel und Erde. und als Gekreuzigter und Auferstandener die Tür zu einem neuen Leben.