ANDRÄ KUNST

Kirche als Austragungsort zeitgenössischer Kultur
  • Die Fastenzeit 2009 war geprägt durch dialogisch konzipierten Fastenpredigten im Stil von spirituellen Kirchenführungen - eine konsequente Vernetzung einer Kunstpräsentation im Sakralraum.

    born 1989

    Die Aktualität des Projektes ergab sich durch die Einladung junger tschechischer Künstler, die 20 Jahre nach 1989 exemplarisch zeitgeschichtliche Erfahrungen des politischen Umbruchs im Osten Europas in Erinnerung rufen und zu einem grundsätzlichen Diskurs über menschliche Geschichte in der Polarität von Abhängigkeit und Freiheit nachdenken lassen.

    Die Auswahl der Gesprächspartner war auch diesem Thema gewidmet. Mit den eingeladenen Experten aus den Bereichen zeitgenössischer Kultur, Polik- und Geschichtswissenschaft entwickelte sich ein spannender Dialog im Kirchenraum.

    KUNST: 399149481 raumschiff fatalität

    Junge tschechische Künstler – geboren 1989 oder unmittelbar davor - machten in der Grazer Kirche St. Andrä bildnerische Interventionen und transformieren damit für 40 Tage den barocken Kirchenraum in ein kritisches Laboratorium menschlicher Freiheitsgeschichte.

    Es ging in den multimedial ausgeführten künstlerischen Arbeiten um die entscheidenden Fragen der Gestaltbarkeit historischer Abläufe, um die Möglichkeiten der Einflussnahme auf die dahinter liegenden politischen und ideologischen Systeme als auch um die Frage nach dem religiösen oder a-religiösen Bewußtseinshorizont, vor dem sich ein menschliches Individuum selbst zu definieren versucht. Die Zahl 399149481, eine computertechnisch erstellte Chiffre für das Wort Gott, war der Titel dieser kollektiven Auseinandersetzung, die den Sakralraum für sehr weit reichende Fragestellungen nutzte.

    In der Andräkirche von Graz fand in der Fastenzeit 2009 – 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur im Osten Europas – im Assoziationsfeld von Mensch-Gott-Welt-Macht ein faszinierender Bilddiskurs statt, der den Besucher in ein geschichtsphilosophisches Nachdenken verstrickt und möglicherweise zu einem Widerspruch zum “raumschiff der fatalität” provoziert. Denn menschliche Geschichte ist Vorgabe und Gestaltungsaufgabe.

    PREDIGT

    Ausgangspunkt war die Tradition der Fastenpredigten und „Christenlehren”, die es in volkskirchlich geprägten Gegenden auch heute noch gibt. Aufgrund des reichen visuellen Schatzes in der Andräkirche (alte Kunst vertreten durch Werke von Hackhofer, Schokotnigg, Straub, Gschiel, u.a. und zeitgenössische Kunst vertreten mit Werken von Wilfling, Troger, Zitko, Kienzer, ILA, Neuwirth, Erjautz, u.a.) und durch das aktuelle Thema der tschechischen Kunstbeiträge angereichert waren die Predigten zur Fastenzeit 2009 als spirituelle Kirchenführungen konzipiert.

  • - in Arbeit -

  • - in Arbeit -

  • Christian Eisenberger hat in der Fastenzeit 2007 nicht nur ein zeitgenössisches Fastentuch konzipiert, sondern auch eine aufsehenerregende Performance in der Andräkirche gemacht: 40 Tage hindurch hat er auf der Empore der Andräkirche gearbeitet, gekocht, geschlafen, … und geschwiegen.

    Das Fastentuch bestand in einer Projektion des Satzes “ERROR NO SIGNAL” auf das Altarbild von Stefan Kessler. Der Satz wanderte über das Hochaltarbild, abtastend, und hat damit die Aufmerksamkeit auf das Bild gelenkt und zugleich die Betrachtung gestört.

    Der zentrale Altar in der Mitte der Kirche, sowie das Ambo, hat Christian Eisenberger mit Karton und Holzlatten verpackt, sodass deren Benützbarkeit extrem eingeschränkt war.

  • Die Fastentuch Interpretation von Michael Gumhold bestand in einer Matte von aneinandergehefteten Magnetbandkassetten (Musikbänder, Sprachkurse, Vorträge und ähnliches mehr), die von der Kirchendecke freischwebend vor dem Hochaltar abgehängt wurde. Der Titel unterläuft das Gefühl des Betrachters, der zuerst von einer beeindruckenden Stille überrascht wird und die Fülle der gespeicherten, aber nicht abgerufenen Audio-Energie fühlt. Die Audioträger, die alten Magnetbandkassetten sind sichtbar, aber nicht hörbar. Der Titel behauptet das Gegenteil und verschärft damit die komplexe Sinneswahrnehmung.

     

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