Kirche als Austragungsort zeitgenössischer Kultur
  • ”A short break in time” | Manfred Erjautz

    Gewölbte Plexiglasscheiben, geschmiedete Gitter | 2008

    Die Fenster der Taufkapelle wurden von Manfred Erjautz in ein Raum gestaltendes Gesamtkonzept eingebunden. Die Plexiglasflächen zeigen eine extreme Wölbung (Tiefe der Ausbuchtung: 72 cm), die entsprechend in den barocken Gittern nachgeformt wurde. Die Gitter und ausgebuchteten Gläser zeigen sich in der konvexen und konkaven Form wie zwei ineinander liegende Schalen. Im Aussehen und in der handwerklichen Gestaltung entsprechen die Gitter vollkommen den barocken Vorlagen.

    Die horizontale Blick-Bewegung des Betrachters, die durch die Fenstergestaltung von Manfred Erjautz provoziert wird, ist eine im Kapellenraum logische Ergänzung zum starken vertikalen Bild- und Gedankennfluss des Dreifaltigkeitsaltares. Der höchst qualitätsvolle Altar stammt von Philip Jakob Straub aus dem Jahr 1770. Der dreifaltige Gott offenbart sich (Gottvater heraustanzend aus den Wolken, der Geist in ausfließenden Feuerzungen und Christus am Kreuz als extrem gelängte menschliche Figur) in einem vertikalen Kommunikationsfluß von oben nach unten, der durch das nach oben gerichtete flehende Händeringen von Magdalena beantwortet wird.

    Diese „Vertikale der erlösenden und heilenden Selbstmitteilung Gottes“ wird von Manfred Erjautz durch den Einsatz einer einfachen bildnerischen Geste in eine dynamische Horizontale eingebunden. Die linke Fensterwölbung, die nach Innen ausragt, findet in der Wölbung des Glases und Gitters nach Außen auf der gegenüberliegenden Seite ihre logische Fortsetzung. Ein horizontaler Energieschub, eine wie auch immer deutbare Druckwelle ist überzeugend nachvollziehbar. Durch den klaren bildnerischen Eingriff von Erjautz wird der gesamte Raum in ein geistiges Geschehen eingebunden.

    Das Betrachten des Altares erhält eine nachvollziehbare Erlebnisdimension, die die dargestellte Heilsdramatik verstärkt und (fast fühlbar) näher heranbringt. Außerdem greift das abgebildete und dramatisch inszenierte Geschehen über den Kapellenraum hinaus.