ANDRÄ KUNST

Kirche als Austragungsort zeitgenössischer Kultur
  • Aus dem Jahr 1270 (wissenschaftlich angezweifelt, wahrscheinlich 1370) stammt die erste Erwähnung einer Kirchenanlage von St. Andrä, die sich im Überschwemmungsgebiet zwischen Mur und Mühlgang befand. Das erste urkundliche Zeugnis ist ein Kaufbrief aus dem Jahr 1340. Die Rede ist von einer Pfarre und einer Pfarrkirche mit beachtlichen Pfründen. Wahrscheinlich handelte es sich um eine von den Aribonen oder Peilsteinern gestiftete Eigenkirche mit Pfarrrechten. 1479 wurde St. Andrä der Stadtpfarre zum Hl. Ägydius (heute Domkirche) inkorporiert, ohne eine formale Aufhebung des Pfarrstatus. Der Hofpfarrer war nun auch Pfarrer von St. Andrä.

    Die Dominikaner mussten 1586 Kirche und Kloster zum Hl. Blut (heute Stadtpfarrkirche) verlassen und haben sich als Ersatzort für St. Andrä entschieden. 1616 haben sie mit einem Kirchenneubau begonnen, finanziert durch „Almosensammler“, die auch über die Landesgrenzen hinaus aktiv waren. Im Baustil (spätmittelalterliche Staffelhallenkirche) und in den Abmessungen des Kirchenneubaus wurde in ehrgeiziger Weise die zurückgelassene Kirche kopiert. Als Architekt war der „Stattmaurer“ Archangelo Carlone tätig. 1620 wurde mit dem Bau des Turmes begonnen. Die Zwiebelhaube mit Laterne stammt von Johann Georg Stengg aus dem Jahr 1740. Der Bau der Andräkirche wurde schon 1627 fertig gestellt, aber erst am 29. Juli 1635 wurde die Kirche geweiht. Äußerlich wirkte die neue Kirche „eintönig, schmucklos, scheunenartig“ (Konservator Graus). Alle architektonischen Dekors (Fensterrahmungen, Gesimse und Pilaster, seitliche Kapellenzubauten, …) sind Zufügungen späterer Jahrhunderte. Der Kapellenzubau auf der Westseite wird erstmals 1670 erwähnt und jener auf der östlichen Seite um 1717. Die alte prachtlose Nordfassade wurde durch eine Neorenaissancefassade 1876 nach den Entwürfen von August Ortwein ersetzt. Älter ist das wunderschöne Säulen-Steinportal mit einem Segment-Sprenggiebel (um 1640). Bemerkenswert ist auch die Rocaille-Schnitzzier der Türflügel (um1770). 1643 wurde die große Krypta im Presbyterium errichtet.

    1641 wurde der erste Trakt im Konventbau abgeschlossen und um ca. 1680 war die Klosteranlage insgesamt fertig. 1659 wurde die neue Sakristei errichtet (heute Dominikuskapelle). Von Anfang an hat man einerseits den bestehenden Friedhof aufgelöst (Verlegung auf das im Westen der Stadt gelegene Steinfeld) und andererseits einer großen Anzahl Grazer Adeliger, auch Künstlern und Kunsthandwerkern eine vornehme Grablegung (Grüfte in der Kirche, wertvolle Epitaphe) ermöglicht. Der Karner mit einer der Hl. Anna geweihten Kapelle stand im Bereich des heutigen Pfarrhofs. Die Kreuzgruppe an der Ostseite der Kirche stammt von der alten Radetzky-Brück und wurde 1884hierher übertragen. Die Statuen werden Jakob Schoy zugeschrieben. Der Corpus am Kreuz ist ein Werk von Jakob Gschiel.

    1807 verließen die Dominikaner St. Andrä und bezogen das leerstehende Augustiner-Eremiten Kloster in der Münzgrabenstraße, wo sie bis heute sind. Das Kloster wurde für militärische Zwecke genützt, woran die Bezeichnung „Kleine Dominikanerkaserne“ noch heute erinnert. Erst 1945 kam die Anlage in Privatbesitz. 2004 wurde das Kloster in eine ansprechende Wohnanlage umgebaut.

  • Eine Foto-Licht Installation von Poklong Anading zur Osterzeit 2012

    Neun s/w Fotoprints in Leuchtkästen, wie Bausteine zu einem Bildobjekt zusammengebaut, sind das Altarbild für die 50 Tage der Osterzeit 2012 in der Grazer Andräkirche. Der philippinische Künstler Poklong Anading fotografierte für diese Serie, die den Titel „Anonymity“ trägt und im Zeitraum von 2008 bis 2010 entstand, an verschiedensten Orten der Welt. Im Zuge seines Aufenthaltes in Graz hat er Aufnahmen in der Griesgasse, am Jakominiplatz und im Stadtpark gemacht. Die übrigen Szenen der Serie sind außerhalb Österreichs entstanden.  Die grelle Überbelichtung im Bereich der Gesichter der in der Bildmitte positionierten Personen entsteht durch einen runden Spiegel, den die verschiedenen Akteure vor ihr Gesicht zu halten hatten. Sie wurden aufgefordert, das Sonnenlicht gegen die Kameralinse zu reflektieren. Mit dem konzeptuellen Ausblenden des Gesichtes  der agierenden Personen verschwindet auch deren Identität, sodass sich der jeweilige Betrachter selbst in der Aufnahme wiederfinden kann.  Das überraschend aufbrechende Licht inmitten der alltäglichen Lebensräume „macht“ in jedem Fall etwas mit den dargestellten Personen, es entstellt und transformiert sie zugleich. Durch das störende Moment der überbelichteten Stellen wird eine zweite Verstehensebene in die Szene eingeführt. Eine andere Dimension des Menschen über seine Raum und Zeit gebundene Existenz hinaus wird angedeutet. Das Licht einer anderen Wirklichkeit bricht in die kleinen und größeren Welten herein. Aufgrund dieser faszinierenden Bildstörung lässt sich die Bildserie „Anonymity“ als österliche Bildintervention im Kirchenraum einsetzen. Sie wird bis zum Pfingstfest in der Andräkirche zu sehen sein. Gottes unerwartet kraftvolles und verwandelndes Licht überrascht den Menschen stets von neuem.
    Herzlichen Dank an die Galerie Zimmermann-Kratochwill für die Kooperation zur Realisierung dieses Projektes von ANDRÄ KUNST.

    Das Altarbild von Stefan Kessler (1672) befindet sich immer noch in den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes in Wien. Es kann erst zu Pfingsten an seinen ursprünglichen Platz zurückkehren. Das Retuschieren zahlreicher Bildfehlstellen nach dem Entfernen der Übermalungen, die im Laufe der Jahrhunderte passiert sind, sowie der lange Trocknungsprozess der neuen Firnisschicht haben die zeitliche Verzögerung der Rückkehr ergeben. Wir danken für Ihr Verständnis!

     

  • Ein seltsames Wesen mit Gasmaske, das mit riesigen Kulleraugen in den Raum blickt, die bedrohliche Anspielung an Krieg und Gewalt wird aufgelöst durch den offenen unschuldigen Blick im Kindchenschema, das an herzige Zeichentrickfiguren erinnert. Darunter eine Textzeile: „Spricht eine andere Welt zu uns?“ Die Text-Bild-Kombination lässt die Aussage oszillieren zwischen Sciencefiction und theologischen Überlegungen über Transzendenz – vor allem, wenn man den Kontext Kirche berücksichtigt, was durchaus witzig wirkt.

    Doch sehen wir genauer hin: Josef Danner ist ein Sammler und Sampler, sowohl im ikonischen wie auch sprachlichen Bereich. Aus Büchern, Zeitschriften, Medien entnimmt er Elemente, die er montiert, kombiniert und somit den Zeichen zu neuen Botschaften verhilft. Philosophische und  wissenschaftliche Aussagen mit  Tiefgang lässt er auf Alltägliches, Banales, Lapidares auflaufen. So sein Spruch auf einer Plakataktion im öffentlichen Raum: „Woher kommen wir, wohin gehen wir und wer bezahlt unsere Fixkosten?“

    Seine Verfahrensweise der Generierung von Texten wendet  er auch auf das Bildmaterial an, bzw. findet man auch in der Interaktion von verbalem und ikonischem Code: Die Gasmaske ist dem Icon des Warnzeichens entnommen, die gestreifte Trommel mit den Drehrichtungsangaben aus einer biologischen Versuchsanordnung mit schwimmenden Fischen.  Hier im kirchlichen Kontext spielen sie nicht nur an das griechische ICHTHYS, ein  Akrostichon,  für Jesus Christus, an, sondern gleichzeitig wird eine Kreuzform gebildet, die sich im Bogen des Gewölbes wiederfindet.

    Ein „gelangweilt – dämlicher“ (so Josef Danner) Hund aus dem „Lexikon für Symbole“, der sich in einem Lehnstuhl zusammenrollt, die Zufallsüberlagerung zweier Kreise mit Strahlen führt zu „Fehlern” und Unschärfen durch mehrmaliges Übereinanderkopieren,  dadurch wir ein Moreille-Effekt erzielt und lässt den Hund in einem sakralen Strahlenkranz erscheinen.

    Das Motiv der beiden Hühner, durch einen kreisförmig-konstruktivistischen Hintergrund unterlegt, der zur auratischen Aufladung führt, taucht immer wieder in den Arbeiten Josef Danners auf. Sie verkörpern den Begriff der Hierarchie, die ja bekanntlich in der strengen Hackordnung des Hühnerhofes sehr ausgeprägt ist.

    Auch der nächste Abschnitt wird durch Elemente aus divergierenden Bereichen zusammengebaut: Eine an einen Forscher erinnernde männliche Gestalt – ein Kopf und eine technische Zeichnung – bekommt „Engelsflügel“ in Form eines Kurvenlineals, das geometrische Muster ist von einem Kücheneinlegepapier kopiert, den Hintergrund um das blauen Mandala bilden verschiedenste Grafiken einer Produktwerbung von Elektrogeräten vom Fernseher bis zur Kaffeemaschine.

    Die unterste Grafik  fügt in einen Schaltplan aus der Elektrotechnik zwei Abbildungen aus einem Biologiebuch ein, Skelettdarstellungen  der Katze und des Menschen. Im Kontext wird die gebeugte Haltung mit erhobenen Armen zur Anbetungspose.  Die Rahmenfassung wurde handgezeichnet im Sinne der “Geometrisierungen” russischer KünstlerInnen der 20er Jahre.

    Der Aufbau des Fensters weckt Assoziationen an „Gnadenstuhdarstellungen“, wie wir sie aus dem Mittelalter bzw. des Barock kennen: Es geht um die Darstellung der Trinität.  Die Komposition besteht aus drei Elementen: Jesus Christus am Kreuz, heiliger Geist, symbolisiert durch eine Taube,  und  Gott Vater auf dem himmlischen Thron, der oft das Kruzifix mit dem Gekreuzigten hält. Frei interpretiert finden sich spezifische Elemente der Gnadenstuhl-Ikonographie in  Josef Danners Fenster wieder: Der Thron – wenn auch hier ein Hund „thront“, das Element des Nimbus, das über allem schwebende Wesen, das an die ausgebreiteten Flügel der herabschwebenden Taube denken lässt oder auch die Kreuzform. Anbetende Engel oder Heilige umgeben in vielen Darstellungen die Dreifaltigkeit. Auch das Element der „Heiligen Ordnung“, also Hierarchie, prägt die Komposition des Gnadenstuhles. Die Textinskriptionen weisen eine vertikale Ordnung auf:  Ist der oberste Fragesatz ein Verweis auf Transzendenz, thematisieren die mittleren Zeilen Überlegungen aus der Eschatologie. Systematische Theologen wie etwa Gisbert Greshake oder Bertram Stubenrauch  machen sich sehr wohl Gedanken, was im Sterben ablaufen könnte und dass der Mensch sein Leben nochmals existentiell durchleben könnte. Josef Danner schießt auch hier wieder quer und fragt: „Wenn es stimmt, dass man in seinen letzten Momenten sein Leben gerafft vorüberziehen sieht, so bin ich gespannt, welche Filme und Fernsehserien darin vorkommen werden.“ Die letzte Textpassage kann als Anspielung an den Überlebenskampf des irdischen Daseins gesehen werden.

    Aber nochmals: genauso wie die oberste Textzeile zwischen Theologie und Sciencefiction oszilliert, werden auch die ernsthaften Überlegungen aus der Eschatologie mit der Banalität des immer schlechter werdenden TV-Abendprogramms konterkariert. Die unterste Textpassage ist einer Dokumentation über das Leben von Fischen entnommen, könnte aber auch den Überlebenskampf von Menschen in Katastrophengebieten meinen. Durch diese Verfahrensweise entlarvt Josef Danner beides: Die salbungsvollen Worthülsen und Ikonographien einer kirchlich geprägten Tradition, die den Durchschnittsmenschen des 21. Jahrhunderts nicht mehr betroffen macht, ja gar nicht mehr erreicht, und die zunehmende Verdummung und Banalisierung einer durch die Massenmedien manipulierten Gesellschaft.  Josef Danner greift gesellschaftlich produzierte Mythen,  Ereignisse und ihre medialen Darstellung auf, transformiert sie und fügt sie zu witzig-geistreichen Kultursatiren zusammen. Dabei ist sein Werk geprägt von ausführlichen Recherchen, die zum Ergebnis eines fundierten und doch spielerisch-pointierten ästhetischen Extraktes führen. Ikonische und verbale Fundstücke aus Büchern und Massenmedien werden fragmenthaft zitiert, manchmal verfremdet, neu kombiniert. Er  lässt sie gegeneinander auflaufen, indem sie sich durch die Kombination gegenseitig entlarven oder sie ironisch-witzige Pointen entwickeln. Ein wesentliches Element ist Ironie und der  „subversive Witz“, der sich im verbalen, visuellen Bereich und an der Schnittstelle von Bild und Text bzw. einer Bild-Text-Schere  ereignet. Mit sprachspielerischem Geschick gelingen Sätze, die in ihren  Montagen und Formulierungen einen literarischen Eigenwert erreichen und gemeinsam mit der Wahl der bildlichen Mittel und der ikonischen Aussage in einer pointierten Rhetorik des Bildes gipfeln. Sie werden zum „Poetischen Ding“ oder „Philosophischen Rätsel.“

    Bereits um 1990, parallel zur Arbeit an den “Schwarzen Bildern”, beginnen Josef Danners Vorarbeiten zum „Fragmentarischen Bericht aus Monopolyland“. Er  suchte nach einer Möglichkeit, als “zoon politikon”  mit den ” kulturellen Absonderungen” der Gegenwart und deren formalen Gegebenheiten zu spielen und das Material so umzubauen, dass “schlagartige” Erkenntnisse möglich werden, die normalerweise unter der  Syntax scheinbar  ganz logischer sprachlicher und  visueller Konstrukte verborgen bleiben und ihre manipulative und oft destruktive Wirkung entfalten… Er hat  daher begonnen, ziemlich willkürlich Text und Bildmaterial zu sammeln und neu zu arrangieren. Dies tut er bis heute und er hat es u.a. auch in einigen Plakatinstallationen im öffentlichen Raum umgesetzt. Anfangs hat seine Methode  als Parallelaktion zur Hermetik der “schwarzen Bilder” für persönliche Erheiterung und Erleichterung gesorgt. Es war eine Möglichkeit  Wut, Betroffenheit und Beklemmung über politische Ereignisse und das Heraufdämmerns des Neoliberalismus zu kanalisieren.[i] Diese “neuen” Methoden lenkten auch die “Schwarzen Bilder” in eine neue, ironische, angriffslustige Richtung, weg vom Informel oder einer ” romantischen” Auffassung,  die alle in der “schwarzen Serie” durchgespielt wurden hin zu Zeichen, zum “schwarzen Witz. Und dieser subversive oder manchmal auch schwarze Witz spielt auch in dem von Josef Danner gestalteten Fenster von St. Andrä eine wesentliche Rolle, führt zur Erheiterung und – so finde ich – im Kontext Kirche auch zu Erleichterung. Es ist wohltuend, in einer Kirche diese  Ausdrucksweise zu finden, in der der Bogen zum Heute in durchaus komplexer, intellektuell und ästhetisch fordernder Weise gespannt wird.

    Ein Text von Eva Maltrovsky
    zu: Josef Danner, Variation Monopolyland, Digitaldruck auf Glas, eingebrannt, 603 x 128 cm.

  • Zeichnung und Malerei in Glas gebrannt, bunte Glasplatten aufgeklebt

    Johanna Kandl, die durch ihre sozial und politisch engagierte Kunst über Österreich hinaus bekannt ist, hat in ihrer Glasfenstergestaltung ein Fest der Pfarre St. Andrä als Ausgangspunkt ihrer weiterführenden Überlegungen gewählt. Man sieht in allen Bildfeldern europäische und afrikanische Leute, Kinder und Erwachsene beim Essen vereint, am Tisch sitzend oder stehend und teilweise mit starker Gestikulation kommunizierend.

    Es handelt sich um relaxte Mahlgemeinschaften, wie sie tatsächlich bei den Festen in der Pfarre stattfinden. Im untersten Feld wird mit aufgeklebten Buntglastafeln die erste Frage gestellt, die sofort auch den Konnex zur biblischen Erzählung von der Brotvermehrung herstellt: HOW MANY BREADS DO YOU HAVE ? Es ist die Frage Jesu an die Jünger, die die Leute am Abend des Tages wegschicken wollten, weil sie offensichtlich mit einer notwendigen Speisung der Menge überfordert waren. Und vorausging bereits auch die Aufforderung: Schickt sie nicht weg, sondern “Gebt ihr ihnen zu essen!” Die ernüchternde Antwort der Jünger lautete: “Wir haben nur wei Brote und fünf Fische.” Mehr nicht. Jesus nahm diese prekäre Situation zum Anlass, das gewaltige Wunder der Bortvermehrung geschehen zu lassen. Die von Kandl zitierte Frage Jesu provoziert jedoch im Kontext unserer heutigen Gesellschaft und Weltsituation sofort die kritische Frage: Und wir? Wieviele Brote haben wir? Man müßte zugeben: Zuviele. Sogar soviele, dass wir die vielen Tonnen von Brot und anderen Nahrungsmitteln, die übrigbleiben, wegwerfen oder vernichten. Absurde und zum Himmel schreiende Fakten. Eine Milliarde von Menschen hungert – und auf der anderen Seite ein Überfluss, der die Seele der Menschen verdirbt. Spekulationen mit der Knappheit von Lebensmitteln und Saatgut auf dem Weltmarkt und ähnliches mehr.

    Kandl reiht ohne die Geste großer Anklage eine Reihe von Fragen in ihrer Glasfenstergestaltung aneinander: Wer bestimmt den Preis? Was kostet der das Getreide, der Weizen, der Reis? Wer bestimmt eigentlich den Markt und – noch viel weitreichender – die menschliche Geschichte insgesamt? Who owns history? Wer sitzt denn auf der Geschichte der Menschheit so penetrant drauf, könnte man frei übersetzen, dass es soviel an Ungleichheit und Ungerechtigkeit gibt? Wohlgemerkt, Johanna Kandl vermeitet jede vordergründige Anklage, weil der Rhythmus der Bildfolge von sehr angenehmen Mahlszenen, die sie erlebt hat, bestimmt wird. Und sogar im abschließenden Rundbogenfenster, das mit einer Szene spielender Kinder die Bildserie abschließt, kommt noch die Frage: Und was kostet die Luft?

    Das Wunder der Vermehrung menschlicher Lebenskraft, Lebensfreude, Lebensenergie, Lebenszuversicht, … wie das in jeder Heiligen Messe durch die Wandlungsworte des Priesters geschieht, wenn er die Worte Jesu über Brot und Wein spricht: “Das ist mein Leib, der für Euch hingegeben wird” – genauso findet dieses Wunder der Vermehrung von Lebensfülle statt, wenn Menschen weltweit aufwachen zu einem solidarischen Handeln, das einer globalen Verantwortung entspringt. Die Frage, die uns rettet, lautet nicht: Wie werde ich in Zukunft satt werden? sondern: Wie kann es uns gelingen, dass alle Menschen ein menschenwürdiges Dasein auf diesem Planeten führen können und nicht im Elend dahinvegetieren müssen während gleichzeitig ein sehr kleiner Teil der Weltbevölkerung mit den Folgen einer Geist und Seele tötenden Übersättigung zu kämpfen hat.

    Johanna Kandl hat in St. Andrä ein Glasfenster geschaffen, das mitten in der Kirche, in der Nähe des Altares, die wesentlichen Überlebensfragen unseres Globus mit einer scheinbaren kindlichen Leichtigkeit auflistet und so den Betrachter in ein hoffentlich fruchtbares und nachhaltiges Nachdenken verstrikt.

  • Gelebte Gastfreundschaft

    Sich mit aktueller Kunst zu beschäftigen ist eine Form der Gastfreundschaft, die unserer katholischen Kirche von ihrem Ursprung her aufgetragen ist. Unter ANDRÄ KUNST läuft seit Dezember 1999 eine permanente Auseinandersetzung mit zeitgenössischem Kulturschaffen im Kirchenraum von St. Andrä. Die Kirche wird dabei nicht als Ausstellungsraum behandelt, sondern als spirituell definierter Raum Gottes und der Menschen, in dem gezielte Interventionen einen wichtigen Dialog eröffnen.

    In den spezifischen Kategorien dieser Website finden Sie sowohl einen Überblick über die bisher stattgefundenen temporären Interventionen, als auch eine Darstellung der Kultobjekte und freien Kunstwerke, die permanent in der Andräkirche anzutreffen sind.

    Die Geschichte der Andräkirche vermittelt Ihnen auch einen historischen Abriss der Erbauung dieser wichtigen Grazer Kirche, sowie eine Kurzdarstellung der wiederholten gestalterischen Eingriffe in den Kirchenraum seit dem Jahr 1635 (Weihejahr der Andräkirche).

    Die gesamte Homepage von ANDRÄ KUNST ist noch in Arbeit. Wir danken für Ihr Verständnis.

    Pfarrer Hermann Glettler

  • « Ältere Beiträge